ATMOSPHÄRE AUF DEM LAND

Die Bezeichnung „Masseria“ heißt übersetzt Bauernhof.

Wie die Italiener das alles schaffen? Ehrlich gesagt kann ich mir das bis heute nicht ganz erklären. Ich habe aber festgestellt, dass die einzelnen Portionen kleiner und vor allem leichter sind als in Deutschland. Anstatt einem riesigen Teller mit schwer verdaulichen Speisen erhält man hausgemachte Nudeln mit saisonalem Gemüse, frischen Fisch oder Fleisch ohne Soße.

Ein weiterer Faktor ist die Zeit, denn das mit dem stundenlangen Essen war nicht übertrieben. Wenn man nur lange genug am Tisch sitzen bleibt und sich bei Aperitif und Wein ausgiebig unterhält, schafft man es tatsächlich, nach einer gewissen Zeit weiter zu essen. “Con calma!” bekomme ich oft als Antwort, wenn ich sage, dass ich nicht mehr kann. Was so viel bedeutet wie “Lass Dir Zeit, immer mit der Ruhe. Warte ein bisschen, dann passt schon wieder etwas rein!”

Heute schauen wir uns mal die typisch italienische Menüfolge an und was die einzelnen Gänge zu bieten haben.


ROOM LAURA

DIE VORSPEISE

Bei der Wahl italienischer Antipasti geht es nicht ausschließlich darum, den Hunger zu stillen. Es geht um Genießen. Es geht um die kleine Freude, die man hat, bis der Hauptgang auf dem Tisch steht.

Serviert werden einfache Gerichte auf kunstvoll gestalteten Tellern. Auf der italienischen Speisekarte findest Du im Bereich ANTIPASTO / ANTIPASTI eine große Auswahl an warmen und kalten Speisen. In dieser Kategorie sind die Italiener etwas kreativer als die Deutschen, würde ich behaupten.

Neben Fisch- und Fleischplatten werden vegetarische und vegane Platten angeboten. Die Liste der italienischen Vorspeisen ist lange und bietet für jeden Geschmack das Passende.

Bruschette, Carpaccio oder Meeresfischsalate sind auch in Deutschland bekannt. Weitere Antipasti, typisch für Apulien, sind zum Beispiel Polpette (Fleisch- oder Brotbällchen), Parmigiana (Auberginenauflauf) sowie deftige Wurst- und Käseplatten mit regionalen Produkten.

Falls Du die Antipasti in Apulien bestellt hast, bist Du jetzt wahrscheinlich satt und kannst noch vor dem ersten Gang nach Hause gehen. Oder sitzen bleiben, Wein bestellen und warten bis wieder etwas reinpasst, so wie es die Italiener machen.

ROOM L`ERA

DER ERSTE GANG

Auf geht`s, wir machen weiter!

Der italienische erste Gang – il PRIMO PIATTO – besteht aus Speisen wie Reis- und Nudelgerichten oder deftigen Gemüsesuppen mit Einlage. Typisch italienische PRIMI PIATTI sind weltweit bekannte Gerichte wie zum Beispiel Lasagne, Spaghetti alla Carbonara oder Tagliatelle al ragù – letzteres wird in Deutschland als “Bolognese” bezeichnet.

Wer im Süden Italiens Urlaub macht und diese berühmten Nudelgerichte liebt, wird allerdings enttäuscht. Denn im Ristorante stehen diese Leibspeisen nicht zur Auswahl. Sollte es sich nicht gerade um eine Kantine oder ein absolut touristisches Lokal handeln, bekommt man hier überwiegend Fisch- oder Gemüsepasta serviert.

Diese lohnt es sich allerdings zu probieren. Das Gemüse wird regional angebaut, der Fisch kommt vom Boot auf den Teller und die Nudeln sind häufig hausgemacht. Ein Geschmackserlebnis, das man in deutschen Restaurants suchen muss.

CASA VACANZA

DER ZWEITE GANG

Während der Primo Piatto aus kohlehydratreichen Gerichten besteht, isst man als SECONDO PIATTO, dem zweiten Gang, eiweißhaltige Speisen wie Fisch oder Fleisch. Italienische Trennkost, sozusagen.

Viele Deutsche denken bei italienischem Essen sicherlich zuerst an Pizza und Pasta. Die Auswahl an Fleisch- und Fischgerichten ist aber erstaunlich groß – und lecker! Italiener legen sehr viel Wert auf die Qualität und Herkunft der Fleischprodukte, eingelegtes Grillfleisch vom Discounter kommt ihnen suspekt vor und wird weder privat noch gewerblich verwendet.

Das Steak landet dann pur auf dem Teller, garniert mit drei Stängeln Rucola und ohne Beilage, wenn man diese nicht ausdrücklich dazu bestellt. Auch Soßen oder Dips zu Fleisch sind hier rar und werden, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen hinzugefügt. Im Vordergrund steht das Produkt. Unvorstellbar der Gedanke, dass ein Italiener sein Gegrilltes in Ketchup tunkt!

Fischliebhaber kommen beim Secondo Piatto nicht zu kurz. Es gibt gegarte, gegrillte oder frittierte Varianten. Fast alle Gerichte beinhalten fangfrischen Meeresfisch, der am selben Tag beim Pescatore gekauft wird. Deshalb stehen nicht alle Fischgerichte auf der festen Speisekarte, sondern werden vom Kellner mündlich angepriesen. Denn selbst der Fischer kann nicht vorhersagen, was über Nacht in seinem Netz landet.

GASTGEBER

ÜBER NATHALIE

Wie wir jetzt wissen, schaffen es Italiener, ein blankes Stück Fleisch ohne Soße, Kräuterbutter oder Beilagen zu genießen. Um Dir also eine Enttäuschung zu ersparen, frage vorher lieber beim Kellner nach, ob zum gewünschten Gericht eine Beilage gehört oder Du sie gesondert bestellen musst. Zu den typisch italienischen Contorni gehören Pommes, gegrilltes Gemüse oder Rosmarinkartoffeln. Salate zählen in Italien nicht als Beilage, vielmehr als weiterer Gang.

Die wichtigste Information zuerst: CONTORNI werden in italienischen Restaurants meistens nicht automatisch mitgeliefert, man muss sie ausdrücklich bestellen und sie werden zusätzlich berechnet.

Vielleicht ist es Dir in Deutschland bereits passiert, dass Du beim Italiener um die Ecke Dein Hauptgericht nicht bekommen hast, bevor der Salatteller leer war. Oder dass der Insalata erst ankam, nachdem Du Deine Spaghetti schon aufgegessen hattest. Bestenfalls kündigt man dem Kellner vorher an, dass man ihn als CONTORNO zusammen mit dem Hauptgang essen möchte.

Interessant wird es, wenn man in Italien in einer Gaststätte einen Salat bestellt. Denn dieser fällt in Normalfall nicht so üppig und bunt aus, wie man ihn aus der deutschen Pizzeria kennt. Im schlimmsten Fall erhält man fünf grüne Blätter, ohne Dressing, garniert mit einer Scheibe Tomate.

Ein Pluspunkt für die italienischen Contorni: Brot ist Grundnahrungsmittel und wird noch vor den Antipasti automatisch an den Tisch gebracht und bei Bedarf sogar nachgefüllt. Das Weißbrot kann zu allen Gängen gegessen werden und wird erst am Schluss wieder abgeräumt.

GÄSTEBEWERTUNGEN

DAS WAHRZEICHEN ITALIENS

Grün, weiß, rot – das sind nicht nur die Farben der italienischen Nationalflagge, sondern auch die der originalen PIZZA Margherita: Basilikum, Mozzarella und
Tomatensoße.

Auf der italienischen Speisekarte bekommen die PIZZE einen separaten Bereich. Sie werden nicht in Folge eines Menüs gegessen. Man entscheidet sich normalerweise für ein Primo und Secondo ODER für eine Pizza.

Besonders im Süden Italiens wird die Pizza nur am Abend angeboten. Wer mittags fündig wird, hat es meistens mit einer Tiefkühlvariante zu tun, die im gewöhnlichen Gas- oder Elektroherd aufgebacken wird. Aufgrund der großen Qualitätsunterschiede lohnt es sich aber, bis zum Abendessen zu warten und dann eine typische Holzofenpizza zu genießen.

Die italienische Pizza unterscheidet sich in drei Hauptmerkmalen zur Deutschen: Der Teig ist dünner, der Rand luftiger und der Belag fällt knapp aus. Während in Deutschland für viele Menschen ein Meer an Zutaten und Käse wichtig ist, wird hier Wert auf den Geschmack des Teiges gelegt. Wer schon mal eine Pizza in Italien gegessen hat, wird den Unterschied sofort erkannt haben und schätzen.

Grundsätzlich gibt es auf italienischen Speisekarten drei Arten von Pizza im Angebot:

  1. PIZZA ROSSA
    Die rote Pizza ist die Standardvariante. Grundlage für diese Pizza rossa ist Tomatensoße. Mit den gewünschten Zutaten belegt und überbacken mit Fior di Latte (Mozzarella aus Kuhmilch) wird sie zur gewöhnlichen Variation, die man aus Deutschland kennt.
  2. PIZZA BIANCA
    Die Pizza bianca – die weiße Pizza – wird ohne Tomatensoße zubereitet und kommt in vielen leckeren Variationen: belegt mit Fisch, Schinken, Wurst, Salat oder Gemüse.
  3. PIZZA FRITTA
    Die Pizza Fritta wird geschlossen wie eine Calzone in heißem Fett frittiert. Wenn man diese Variante noch nicht probiert hat, mag sich das nicht besonders appetitlich anhören. Gefüllt mit Ricotta und Schinken und vor allem heiß serviert wird sie aber zur Delikatesse. Leider findet man die Pizza Fritta nicht überall, sie stammt ursprünglich aus Napoli.

IL DOLCE

DER NACHTISCH

Du hast bis jetzt die ganze Menüfolge eingehalten? Bravo! Dann hast Du Dir Dein DOLCE aber ehrlich verdient! Falls Du das Gefühl hast, es passt nichts mehr rein, dann denkst Du nicht italienisch genug. Trink einen caffé oder bestell Dir einen Likör! Du wirst sehen, für etwas Süßes ist noch Platz.

Die meisten dolci italiani sind hausgemacht. Sie werden täglich frisch zubereitet und die Restaurantbesitzer sind stolz auf ihr Angebot. Neben den bekannten Süßspeisen wie Tiramisù, Panna Cotta oder Profiterole gibt es häufig SEMIFREDDO, was übersetzt heißt: Halbgefrorenes. In Form von Kuchen, Törtchen oder Pralinen schmecken die Köstlichkeiten erfrischend und liegen nicht so schwer im Magen.

Frisches Obst als Nachspeise darf in Italien nicht fehlen. Es wird in ganzen Früchten oder als Obstsalat vernascht. Deshalb bekommt man in italienischen Restaurants oft ungefragt, aber kostenlos frische Feigen, Erdbeeren oder was der Garten gerade so hergibt, serviert.


Anfangs war ich etwas geschockt, dass die komplette Menüfolge sogar im privaten Bereich, zumindest an Sonn- und Feiertagen, eingehalten wird. Mittlerweile finde ich es aber die perfekte Gelegenheit, an ein und demselben Tag in den Genuss von verschiedenen Spezialitäten zu kommen.

In italienischen Restaurants ist es üblich, dass auf der Rechnung ein gesondert ausgewiesener Preis für das COPERTO (Gedeck) erscheint. Je nach Typ Restaurant handelt es sich um einen Beitrag bis maximal 2 €, der natürlich nur fällig wird, wenn man etwas isst.

Mit dieser Pauschale wird der allgemeine Service abgedeckt, der aufwendiger ist, als wenn Du nur ein Glas Wein trinken würdest. (Tisch wird eingedeckt, Besteck, Servietten, verschiedene Gläser, extra Kellner). Dafür erwarten die Italiener fairerweise auch kein Trinkgeld, trotzdem ist es natürlich höflich, wenn man sich erkenntlich zeigt.